Gustavo Alàbiso

1962 wurde ich in Pomaretto (Italien) geboren und bin von 1966 bis 1986 in Sizilien aufgewachsen. Meine Ausbildung als Fotograf habe ich 1987 bis 1990 in Rom beim Istituto Europeo di Design gemacht. Seit 1990 lebe ich in Deutschland. Als selbstständiger Fotograf habe ich zuerst für Tageszeitungen und Bildagenturen gearbeitet. Heute bin ich im PR-Bereich für Behörden, Unternehmen und Buchverlage tätig.

Auf dieser Homepage werden meine fotografischen Arbeiten ab 2012 präsentiert. Diese sind zusammenhängende Projekte oder Aufträge, die Bücher oder Ausstellungen geworden sind. Oder freie Projekte, die mir wichtig sind, und die ich weiterverfolge.

Als das Internet und die Bilddatenbanken mit Fotos überschwemmt wurden, seit Jede und Jeder die Möglichkeit hat, technisch einwandfreie Fotos mit dem eigenen Smartphone zu machen, ist mir klar geworden, dass ich als Bildlieferant keine Zukunft mehr haben würde. Um als Fotograf weiter zu bestehen, musste ich mich radikal ändern.

Was mir fehlte, war eine klare Handschrift, die mich von den Anderen unterschied. Wo meine Professionalität und meine Fantasie, mein Engagement und mein Können, meine Kreativität und meine künstlerische Sensibilität zur Geltung kamen und sichtbar wurden.

Es hört sich selbstverständlich an, aber wenn man sich selbst 30 Jahre lang darin geschult hat, Bilder zu sehen und zu machen, die die Realität „objektiv“ darstellen und man immer die eigene Sicht zurückgehalten hat, ist es sehr schwierig, diese Seh-Gewohnheit wieder zu finden.

Aber spannend!

Seit ein paar Jahren trainiere ich meine eigene Seh-Gewohnheit und ich lasse mich leiten von künstlerischen Impulsen. Ich arbeite wieder analog, das Projekt „Immagina Riesi“ wurde komplett mit einer Hasselblad 500C fotografiert, die Kamera selbst ist aus dem Jahr 1967, sie hätte uns als Schulkinder damals in Sizilien schon fotografieren können.

Bilder radikal zu bearbeiten, ist nicht mehr verpönt. Das Projekt YVO ist ein Spiel mit der Erinnerung an meine Tante. Dafür nutze ich die Fotos, die sie aufbewahrt hat. Mich berührt es, sie anzuschauen, diese vergilbten, verkratzten und unscharfen Fotos.

Es ist nicht die digitale Perfektion, die rührt, sondern die analoge menschliche Vergänglichkeit.

Es geht hier um die Zeit, die Faszination der Zeit und die Tatsache: „(…) lässt sich in der PHOTOGRAPHIE nicht leugnen, dass die Sache da gewesen ist.“ Roland Barthes „Die helle Kammer“.

Aber ich möchte die Fotos nicht so lassen, sie sollen präsentiert werden. Die Fotos brauchen zum Teil einen neuen optischen Kontext, um eine neue Dynamik erzeugen.

Sie sollen nicht mehr meine Tante abbilden, sondern Yvonne, sie selbst.

Ich bin von meiner dreißigjährigen bildjournalistischen Tätigkeit auch dahingehend geprägt, wie ich die Welt ergründe und versuche zu verstehen.

Deshalb arbeite ich sehr gerne mit Journalistinnen und Journalisten zusammen. Die meisten sind „Generalisten“ wie ich, und wissen, dass die Geschehnisse dieser Welt sehr komplexe Gebilde sind, es keine einfachen Antworten gibt und man versucht, zusammen mit Texten und Fotos „Ansichten“ wiederzugeben, um dem Leser, dem Betrachter, neue Wege zu eröffnen. Es sind die selben Wege, die man jeden Tag versucht, selbst zu erkunden. Das Buch „300 x Karlsruhe“ ist ein gelungenes Beispiel dafür.

Das ist mein Plan: in den nächsten Jahren so weiterzumachen, auf der Suche nach dem perfekten Bild, dem Bild, das bewegt, das einen zum Nachdenken bringt, dem Foto, das neue Ansichten eröffnet.