Diese Arbeit ist eine fotografische Dokumentation des ehemaligen Dienstgebäudes des Landratsamtes Karlsruhe: des Hochhauses, des Zwischenbaus, des Casinos und der Tiefgarage. Sie entstand als denkmalpflegerische Auflage im Kontext des Abrisses eines Gebäudekomplexes, der lange unter Denkmalschutz stand. Eine etwas paradoxe Aufgabe: Was als erhaltenswert galt, musste vor seinem Verschwinden zunächst möglichst genau festgehalten werden.
Das Hochhaus wurde zwischen 1961 und 1965 für die Badenwerk AG errichtet. Entworfen von Theodor Kelter sowie Klaus Möckel und Norbert Schmidt, war es ein prägnantes Beispiel des Internationalen Stils: eine schlanke, elegante Hochhausscheibe mit Aluminium-Glas-Fassade, Langbau und Casino. Seit 1997 nutzte der Landkreis Karlsruhe den Komplex als Landratsamt. Mit 72 Metern Höhe und 21 Geschossen gehörte das Gebäude zu den prägenden Hochhäusern der Innenstadt – und bot, je nach Stockwerk, eine Aussicht auf Karlsruhe, für die man sich fast mit der Verwaltung hätte anfreunden können.
Ich kannte das Haus aus meiner langjährigen Tätigkeit als freier Fotograf der Badischen Neuesten Nachrichten. Da ich hauptsächlich im Landkreis unterwegs war, führte mich die Arbeit regelmäßig ins Landratsamt. Besonders verbunden bin ich mit dem Foyer: Dort wurde mein Bildband „Landkreis Karlsruhe in Bildern von Gustavo Alàbiso“ vorgestellt, der zum vierzigjährigen Bestehen des Landkreises entstand. Viele Jahre später kehrte ich zurück – dieses Mal nicht als Zeitungsfotograf, sondern gewissermaßen als fotografischer Bestatter.
Die Dokumentation begann 2021, während die Pandemie noch den Alltag bestimmte. Ausgangspunkt waren Architektur, Gestaltung und technische Struktur des Gebäudekomplexes. Doch bald trat ein zweites Thema hinzu: die Spuren seiner Nutzerinnen und Nutzer. Zuerst wurde der Langbau fotografiert, weil er als Erster abgerissen werden sollte. Der Umzug war bereits in vollem Gange.
Manche Büros waren noch besetzt, viele schon leer. Regale, Schreibtische, Pflanzen und persönliche Bilder waren verschwunden. Zurück blieben kleine, unbeabsichtigte Hinterlassenschaften: ein Abschiedsgruß, ein Aufkleber, eine Beschriftung im Regal, ein vergessener Spruch, helle Stellen an der Wand oder die Kontur eines Objekts, das längst mitgenommen worden war.
Zum Schluss dokumentierte ich die leer gewordenen Etagen des Hochhauses. Die Auswahl aus mehreren Hundert Fotografien versteht das Gebäude als architektonisches Objekt: als Spiel von Linien, Räumen, Materialien, Konstruktionen und dem Design der 1960er‑Jahre. Zugleich versucht sie, aus den verbliebenen Spuren etwas über Arbeit, Beziehungen und Persönlichkeiten zu erzählen. So bleibt das ehemalige Landratsamt nicht nur als Bauwerk in Erinnerung, sondern auch als Ort, an dem Menschen über Jahrzehnte gearbeitet, gewartet, diskutiert und organisiert – und gelegentlich vermutlich auch aus dem Fenster geschaut haben.














































































































