Während der Corona-Pandemie konnte Karlsruhe – wie Städte in Deutschland und anderen Ländern – zugleich als Mikrokosmos und Makrokosmos betrachtet werden. Hier sah es ähnlich aus wie an vielen anderen Orten: Geschäfte waren geschlossen, Straßen leer, das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Die Fotodokumentation „Ihr fehlt mir!!!“ hält fest, wie sich Menschen und der öffentliche Raum in Karlsruhe verändert haben: Absperrbänder, Schilder, Abstandsmarkierungen, gestapelte Tische und Stühle, leere Straßen, Schlangen vor Geschäften und Graffiti. Parallel dazu entstand eine Serie über Räume, die aufgrund von Beschlüssen der Bundesregierung, der baden-württembergischen Landesregierung und der Stadtverwaltung zur Eindämmung der Pandemie unzugänglich geworden waren: Schulen, Museen, Theater und Sporteinrichtungen. Einige Porträts visualisieren das Symbol dieser Pandemie: die Gesichtsmaske.
Hintergrund des Projekts
Am 18. März 2020 wandte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache an die Bürgerinnen und Bürger mit den Worten: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Ernst zu nehmen war ein hochansteckendes Virus namens SARS‑CoV‑2. Die ersten bekannten Fälle von COVID-19 wurden Ende 2019 in Wuhan in China gemeldet. Die genaue Herkunft des Virus wurde wissenschaftlich bislang nicht abschließend geklärt; die Weltgesundheitsorganisation hält einen Übergang von einem tierischen Reservoir auf den Menschen in der zweiten Jahreshälfte 2019 für plausibel. Innerhalb weniger Monate hatte sich das Virus weltweit verbreitet und die Gesellschaften grundlegend verändert. Als eine der ersten Maßnahmen wurden Grenzen geschlossen oder Einreisen stark eingeschränkt. Viele Staaten versuchten, die Verbreitung des Virus durch nationale Maßnahmen zu begrenzen – obwohl gerade die global vernetzte Welt seine schnelle Ausbreitung begünstigt hatte. Schulen, Kitas, Museen, Theater, Kinos und Sporteinrichtungen wurden geschlossen; zahlreiche Geschäfte mussten vorübergehend schließen, Veranstaltungen wurden abgesagt. Mit Kontaktbeschränkungen und der Aufforderung, zu Hause zu bleiben, sollten Begegnungen reduziert und die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden.
Lockdown, Shutdown, Social Distancing, Coronavirus, Pandemie, Stay-at-home, Homeoffice und Homeschooling: Diese Begriffe wurden innerhalb kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil der Alltagssprache.
Die Welt stand auf einmal still.
Die Umwelt schien vorübergehend aufzuatmen, der CO₂-Ausstoß sank. Eine ungewohnte Ruhe kehrte ein, Vögel waren deutlicher zu hören, und viele Menschen gingen – zumindest anfangs – achtsamer miteinander um. Manche genossen die unverhofft gewonnene Zeit, andere erlebten Einsamkeit und Unsicherheit. Gleichzeitig nutzten autoritäre Staaten den Ausnahmezustand, um ihre Macht weiter auszubauen. Auch das europäische Nachkriegsprojekt nahm Schaden: Nationale Grenzschließungen und unterschiedliche politische Reaktionen machten sichtbar, wie schnell Solidarität innerhalb Europas unter Druck geraten konnte. Für viele Unternehmen, Soloselbstständige und Kunstschaffende bedeuteten die Maßnahmen einen tiefen Einschnitt. Sie verloren Aufträge, Einnahmen oder zeitweise die Möglichkeit, zu arbeiten. Die wirtschaftlichen Folgen waren noch nicht absehbar. Diese außergewöhnliche Zeit musste fotografisch festgehalten werden. „Ihr fehlt mir!!!“ ist ein Zeitdokument über ein Ereignis, das Karlsruhe und die Welt verändert hat.

















