Friedel Werner, Jahrgang 1918
Das Interview fand in Karlsruhe am 20.Mai 1995 statt.
Am 14. Oktober...
Am 14. Oktober 1944 sind wir die Strecke gefahren vom Hauptbahnhof in Richtung Kolpingplatz, die hätte mich fast das Leben gekostet, ich habe noch Schaden davon, körperlichen Schaden.
Plötzlich war kein Strom mehr da, die Oberleitung ist weggenommen worden, so wussten wir, dass wir in den nächsten Keller rein mussten, mittlerweile waren wir daran schon gewöhnt. Der Wagenführer sagte, am Kolpingplatz ist der nächste Luftschutzkeller, und da gehen wir rein, man hätte noch einen weiteren Weg zur Auswahl gehabt, aber der Wagenführer hat jeweils bestimmt, der war ein älterer Mann, der sagte zu uns: "Mädels", wir waren jung, der war ein Opa im Vergleich zu uns, "Ihr Mädels, wir gehen ins Kolpinghaus hinein", dieses Haus ist ein großes Haus in der Karlstraße, und da sind wir rein. Wir saßen nicht lange unten im Keller, ich hatte gerade den Fahrscheinbehälter auf die Seite gestellt, und schon war es passiert. Eine Sprengbombe kam schräg, das Haus war da offen, wo heute eine Apotheke ist. Früher war ich nicht ängstlich, nie, ach was, im Gegenteil, ich dachte, jetzt kommen sie, und dann gehen sie wieder weg.
Die Bombe kam schräg, und ... der Wagenführer hat von einem Stützbalken einen schweren Schlag gekriegt. Ich sehe auf einmal, dass alles hell ist, ich will mich bewegen und es geht nicht mehr, am Fuß habe ich eine riesige Fleischwunde gehabt, gespürt habe ich eigentlich nichts, der Schock, man spürt wenig. Wenn nicht sofort Hilfe da gewesen wäre, an dem wäre ich allein verblutet. Ich habe die Schmerzen erst gespürt, als mich die Sanitäter auf die Bahre gelegt haben, ich fühlte mich wie in der Mitte auseinandergerissen, ich hatte einige Rippenbrüche und Wirbelsäulenprellungen, und die mussten mich noch hoch heben. Da habe ich alles gespürt, und ich war im Geist, im Kopf derart da, derart, es ging ums Leben, da ist man hellwach. Dieses Kolpinghaus war ein Lazarett, es war immer in den Kriegsjahren ein Lazarett gewesen, belegt mit Soldaten, und an jenem Tag hat es vielen, vielen Soldaten das Leben gekostet; die sind auf dem Hauptfriedhof beerdigt, manchmal gehe ich auch hin. Und es war auch wegen des Lazaretts, dass sofort Hilfe kam.
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