Lina Stadter, Jahrgang 1919
Das Interview fand in Kehl-Hohnhurst am 7. März 1995 statt.
Es waren nur Franzosen?
Ja, nur Franzosen, die haben sich gar nicht verstanden, weil die Dialekt gesprochen haben. Unserer hat ein gutes Französisch gesprochen, der hat den Dialekt als gar nicht verstanden.
Er hat mich mit meinem bißchen Bobberlein-Lateinischen Französisch, was ich gekonnt habe, besser verstanden als wie seinen eigenen Kollegen. Und dann kam noch das schönste, dass damals die französischen Kriegsgefangenen nicht beim Bauer am Tisch sitzen sollten. Da hat man sollen irgendwie ein Tischchen irgendwo hinstellen und da hat er sollen separat dann essen. Und da ist Kontrolle gemacht worden. Da hat mein Vater gesagt: „Die sollen nur was sagen“ - wir hatten gar keine so große Küche – „wir stellen dem Franzosen unser Blumentischchen gerade an unseren Tisch dran. Wir richten dem doch nicht extra, dass es noch mehr Geschirr gibt, sonst noch was!“ Und da hatten wir ihn bei uns am Tisch sitzen, und da hat er als immer gelacht: „Ah, extra Tisch, tres jolie!“ Und dieser Franzose hat die Begabung gehabt - er war ein sehr intelligenter Mensch - der hat mir gleich gesagt, wo er gekommen ist: „Crayon“ - crayon ist ein Stift - und Pamphlet - Papier, Heft. Und dann habe ich ihm das gezeigt, und dann hat er gesagt: „Prima, prima!“ ein bisschen Deutsch hat er können, aber nicht viel, und da hat er alles aufgeschrieben, mit was er umgegangen ist, aber alles durcheinander, wissen Sie. Wenn er im Garten war und Petersilie abgerupft hat, ist er gekommen und hat zur Mutter gesagt, als ob er ihr ein Präsent machen wolle: „Wie das sprechen, parler wie?“, P E T E R S I L I E , Crayon genommen, und dann aufgeschrieben. Wenn er beim Vater draußen war mit der Mistgabel, hat er die Mistgabel unter die Petersilie aufgeschrieben, und so hat er ein Durcheinander gehabt. Eines schönen Tages ist er dann gekommen und hat gesagt, er braucht noch einmal ein - da hat er schon können sagen - ein Heft, dann hat er die Sachen auseinandergehalten, wie es zusammengehört. Da hat mein Vater gesagt: „Das ist ein ganz schlauer, der bringt es fertig, der lernt auch in kurzer Zeit.“
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