Klaus Knapp, Jahrgang 1918 – Ursula Knapp geb. Schuster, Jahrgang 1921
Das Interview fand in Wiesloch am 11. Juni 1995 statt.
Waren das Pflichtorganisationen, oder war es freiwillig?
Herr Knapp : Es war freiwilliger Zwang! Mein Vater war in Württemberg der einzige von allen akademischen Lehrern, der nicht im NS-Lehrbund war, der einzige!
Deswegen musste er seinen Dienst quittieren, er wurde ausgesondert, weil man wusste, der ist ein Gegner. Der einzige! Man hat ihn immer wieder angegangen, er solle eintreten, und er hat gesagt: „Ist es Pflicht, dann muss ich, aber nein, Pflicht ist es nicht, es ist freiwillig, dann trete ich nicht ein.“So war es mit den Organisationen, ich war als Bub in einer Jugendgruppe vom Turnerbund, also Sportverein, der wurde kollektiv in die HJ übernommen: Alle, die dort Mitglied waren, sind automatisch in der HJ Mitglied geworden. Ich bin dann aus der HJ ausgetreten, weil ich schon sehr kritisch war.
Mit welcher Stimmung haben die Leute die Kundgebungen mitgemacht?
Sehr gemischt, vielen war das lästig, die wollten das nicht, andere waren natürlich die Macher, die Antreiber, die sich selbst wichtig gemacht haben. Geltungssucht, Beförderung, irgendeinen Rang erreichen....
Fr. Knapp ...die eben Vorteile für sich herausgeholt haben.
...die an die Sache auch geglaubt haben?
...mmhh ...oder zumindest vorgegeben, so getan, als ob sie dran glauben würden, um eben für sich Vorteile zu erreichen.
H. Knapp: Aber ich sagte schon einmal: Man hat immer wieder Menschen getroffen, die in stillem Widerstand waren, und die getan haben, was sie konnten, um es zu mildern, um einigen zu helfen. Mein Chef in Kreuznach im Lazarett, der hat bald gewusst, wie ich denke, und ich, wie er denkt.
Wenn die Patienten entlassen wurden, musste man ja die Dienstfähigkeit beurteilen; ich habe ihm die Papiere zur Unterschrift vorgelegt, ich musste unterschreiben und dann er, aber er hat nie reingeschaut . Er hat nur immer gesagt: „Kämpfer dabei? Kämpfer? Kämpfer kämpfen lassen, Kämpfer raus an die Front...“ gemeint waren Nazis. Denen keine Schonung; mit allen anderen konnte ich machen, was ich wollte, der hat nie reingeschaut, was ich hingeschrieben habe. Widerstand zu organisieren war unmöglich. Ein Beispiel: Die Gebrüder Scholl in München, das ist sehr schnell aufgekommen; es waren immer Denunzianten da - die Gefahr war groß, mit ein oder zwei Worten denunziert zu werden.
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