Ruth Jochim, Jahrgang 1920
Das Interview fand in Lörrach am 20. Juli 1995 statt.
Welche Beziehung hatten Sie zu den Nazis ?
Mein Pflegevater war SA-Mann, er ist Nazi gewesen, weil es geheißen hat: “Hitler bringt uns Brot“. Damals war viel Arbeitslosigkeit, und man hat gehofft, dass er derjenige ist, der Deutschland wieder hoch bringt, das haben viele Leute gedacht.
Seine Frau war in der Frauenschaft, dort haben sie Handarbeiten gemacht, gehäkelt oder gestrickt für die Männer an der Front. Der Hitler hat die Frauen, die viel Kinder gehabt haben, auch finanziell bevorzugt, er wollte viele arische Kinder haben...Er hat ja dann auch den Muttertag groß herausgebracht. Ich war im BDM, ich habe eine Kluft gekriegt mit Abzeichen, dann haben wir eine Uniform gehabt, Knotenhalstuch, Rock und braune Bluse. Das war an und für sich meine schönste Zeit. Wir haben das andere gar nicht so mitgekriegt, haben Spiele gemacht, wir haben Sport getrieben, ich habe mich da wohl gefühlt.
Wie war es mit den Massenkundgebungen ?
Am Völkerschlachtdenkmal hat einmal der Hitler gesprochen, das war ein ganz großes Ding gewesen, wir waren mit Fackeln dabei. Ich als Kind habe das als schön empfunden, da ich da geborgenwar, ich hatte ja keine Eltern. Als Kind habe ich schon die Leute mit den Judensternen gesehen, aber ich habe nicht gewusst, warum.
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