Helena Doninger, Jahrgang 1906
Das Interview fand in Karlsruhe am 22. April 1995 statt.
Wo waren Sie während dieses Angriffes?
Wir waren in einem Haus im Wald, wo die Förster übernachtet haben, da waren Feldbetten, Strohsäcke usw., wir haben das Schießen von Freudenstadt immer gehört, es hat ewig geschossen.
Da drin haben wir uns zwei Tage aufgehalten, am zweiten Tag sind wir mal raus gegangen, um mal zu gucken, was mit unserem Häusle ist. Da kam plötzlich ein Reiter, ein Deutscher, der ist in den Wald rein, und nachher haben wir furchtbare Detonationen gehört, der hat die ganzen Munitionsstände gesprengt, der Boden hat gebebt, und überall war Munition verstreut, meine Buben, die haben dieses Zeug am Boden gesehen und haben es eingesteckt, und als ich dann geguckt habe, waren die Taschen voller Munition. Am Waldrand kam uns eine Frau entgegen, und sie erzählte uns, dass die Feinde Hühner und Hasen abgeschossen und gebraten hätten, ach, da war das ewige Schießen! Die haben nach irgendwas gesucht, und sie riet uns, die Ringe, Schmuck, oder was wir hatten, im Wald zu vergraben. Wir haben alles gut verpackt und alles an einem großen Platz versteckt, wo eine Baumwurzel war. Als wir es dann holen wollten, stand vor jedem Waldeingang ein Posten, und da habe ich gesagt, ach nein, ich gehe nicht mehr rein, ich verzichte drauf, das ist mir ganz egal, wir gehen heim wie wir sind. Später hat eine Frau, die auch ihre Sachen dort gehabt hat, alles geholt und mir meine Sachen geschickt, wir haben sie wieder bekommen.
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