Ulrich Betz, Jahrgang 1922

Das Interview fand in Karlsruhe am 1.Mai 1995 statt.

Eines Nachts kamen sie an, uns auf einen Lastwagen geladen und weggebracht an einen Ort, von dem wir wussten, dass die SS dort Leute gefoltert und umgebracht hat. Miane hieß das, ein kleiner Ort in den Dolomiten.

Als wir ankamen, war der Marktplatz gestopft voll mit Menschen, und wenn Hunderte Italiener beisammen sind und man kein Wort hört, dann ist was faul. Geschlagen wurden wir nicht, misshandelt nicht, so was nicht, nur ausgeplündert. Dann haben sie uns dahin gebracht, sie wollten uns erschießen, als Sühne, und die ganzen Leute starrten uns an, die wollten Blut sehen, weil die Deutschen eben so üble Sachen in dem Ort gemacht haben. Die wollten Blut sehen ... Schweigend standen sie da, und haben uns angestarrt ... Hass und Blut! Na ja, und wir haben gedacht, nun ist es abgeschlossen ... nun ist dein Leben zu Ende, wie alt war ich da?

...zweiundzwanzig!

Plötzlich höre ich eine Stimme:" I tedeschi non si toccano!" Lasst die Deutschen in Ruhe! Zwei italienische Luftwaffenoffiziere haben sich durch die Menschenmenge durchgedrängelt und haben angefangen, mit den Partisanenführern heftig rumzustreiten. Die Partisanenhäuptlinge wollten uns umbringen, und die Offiziere haben gesagt, Kriegsgefangene kann man nur nach einem Kriegsgericht erschießen. "Ach was für ein Kriegsgericht, die sind alle Verbrecher, die Deutschen die müssen umgelegt werden..." Na ja, die haben eine volle Stunde rumgestritten, und die Offiziere, wie man sieht, haben sich schließlich durchgesetzt. Ein Offizier hat überhaupt nicht den Mund aufgemacht, nur einer hat geredet, der andere stand nur daneben - und der eine hat den Partisanenhäuptling angeschrieen: " Sie sind ein Soldat, oder was sind Sie?", und der Partisanen hat gesagt: "Natürlich bin ich ein Soldat!" und der Offizier: "So, ein Soldat erschießt keine Gefangenen." Das Argument hat gezogen! Na ja sie haben uns nicht erschossen. Das war Mitte April '45.

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